Mein Shadowknight stammt tatsächlich aus 2006. Er ist damit einer meiner ältesten EverQuest-2-Charaktere und entsprechend hänge ich an ihm.
Als Visions of Vetrovia aktuell war, habe ich allerdings eine Abkürzung genommen: Ich habe ihn mit einem Charakter-Boost direkt auf Level 120 gebracht.
Das funktionierte zunächst wunderbar. Neuer Level, neue Ausrüstung, ab nach Vetrovia.
Nur habe ich damit ein Problem geschaffen, das mir erst später wirklich bewusst wurde.
Mein Charakter ist zwar Level 120 – aber ein großer Teil der Systeme, die einen modernen EverQuest-2-Charakter stark machen, ist praktisch auf dem Stand eines neuen Charakters. Mein Mercenary wurde kaum trainiert, mein Familiar ist weit von seinem Maximum entfernt und auch bei Mount, Ausrüstung, Adornments und Fähigkeiten gibt es einiges nachzuholen.
Das Resultat:
Normale Quests funktionieren. Sobald eine Solo-Instanz auf dem Programm steht, ist Schluss.
Und genau daran arbeite ich momentan.
Dieser Guide ist deshalb gleichzeitig mein persönliches kleines EverQuest-2-Projekt und eine Anleitung für alle, die einen alten Charakter geboostet haben und anschließend feststellen:
Warum fühlt sich mein Level-120-Charakter eigentlich so schwach an?
Das eigentliche Problem mit einem Charakter-Boost
Ein Level-Boost überspringt Level – aber er ersetzt nicht automatisch Jahre an Charakterprogression.
Modernes EverQuest 2 besteht längst nicht mehr nur aus:
Level + Rüstung + Zauber = Charakterstärke
Dazu kommen unter anderem:
- Mercenary
- Mercenary Training
- Mercenary Equipment
- Familiar
- Mount und Mount Equipment
- Adornments
- Alternate Advancements
- Spell- und Combat-Art-Qualität
- Potency
- Fervor
- Resolve
- verschiedene Overcap-Werte
Gerade beim Sprung von einem sehr alten Charakter direkt in modernen High-Level-Content merkt man das extrem.
Visions of Vetrovia ist für Charaktere von Level 120 bis 125 gedacht. Die Erweiterung erwartet aber gleichzeitig, dass ein Charakter zumindest über die grundlegenden modernen Systeme verfügt.
Schritt 1: Unbedingt Tishan’s Lockbox besuchen
Das ist wahrscheinlich der wichtigste erste Schritt.
In der Svarni Expanse befindet sich bei ungefähr
/waypoint 696.34, 5.89, 530.08
Tishan’s Lockbox.
Diese Kiste ist ausdrücklich als Catch-up-Mechanik gedacht und enthält eine komplette kostenlose Ausrüstung für Level 120.
Dazu gehören nicht nur normale Gegenstände. Die VoV-Version der Lockbox bietet außerdem:
- komplette Level-120-Ausrüstung
- 275 Resolve auf den entsprechenden Gegenständen
- bereits eingebaute Adornments
- einen kostenlosen fliegenden Mount
- zusätzliche Ausrüstung für den Mercenary
Die Adornments sind teilweise erst sichtbar, nachdem man die Gegenstände tatsächlich aus der Lockbox genommen hat.
Nehmt wirklich alles mit und kontrolliert danach jeden einzelnen Equipment-Slot.
Gerade Charms, Schmuck oder einzelne alte Gegenstände übersieht man leicht.
Das klingt banal, kann aber gewaltige Auswirkungen haben. In einem damaligen Test von Visions of Vetrovia hatte der Autor nach seinem Boost versehentlich zwei Charms nicht ausgerüstet. Allein die dadurch fehlende Potency machte Gegner erheblich schwerer.
Ich würde deshalb zuerst gar nichts anderes farmen.
Erst einmal die komplette Vetrovia-Baseline herstellen.
Schritt 2: Resolve und Potency kontrollieren
Das moderne EverQuest 2 kann bei seinen Charakterwerten ziemlich undurchsichtig sein.
Für den Einstieg sind zwei Dinge besonders wichtig:
Resolve
Resolve funktioniert gewissermaßen als Eintrittskarte für modernen Content.
Liegt der eigene Resolve unter dem benötigten Wert eines Gegners, verursacht man weniger Schaden und nimmt gleichzeitig mehr Schaden.
Ein kleiner Unterschied auf dem Papier kann sich deshalb im Kampf überraschend drastisch anfühlen.
Potency
Potency verstärkt Spells und Combat Arts.
Gerade bei einem Shadowknight betrifft das praktisch alles, was den Charakter interessant macht: Schaden, Lifetaps und viele weitere Fähigkeiten.
Deshalb sollte man alte Ausrüstung nicht nur danach beurteilen, ob sie irgendwie besondere Effekte besitzt.
Für den Einstieg in Vetrovia ist die Tishan-Ausrüstung die sichere Grundlage.
Schritt 3: Mein Mercenary ist Level 1 – ist er deshalb nutzlos?
Hier hatte ich selbst zunächst einen Denkfehler.
Das Mercenary-Level beziehungsweise der Training Rank funktioniert nicht wie das Adventure Level eines normalen Charakters.
Ein Mercenary passt sich grundsätzlich dem Abenteuerlevel seines Spielers an. Ein Mercenary mit niedrigem Training Rank läuft also nicht tatsächlich als Level-1-Begleiter neben einem Level-120-Shadowknight herum.
Das Mercenary Training ist trotzdem wichtig.
Mit den Trainingsrängen werden nach und nach zusätzliche Equipment- und Accolade-Slots freigeschaltet. Außerdem spielt der Rang beim Mercenary-Battalion-Bonus eine Rolle.
So trainiert man einen Mercenary
Charakterfenster öffnen:
Mercenary → Current Mercenary → Start Training
Dann beginnt ein echter Timer.
Schon der erste Trainingsrang benötigt mehrere Tage. Die Zeit läuft weiter, auch wenn man nicht eingeloggt ist. Spätere Ränge benötigen zunehmend länger.
Deshalb ist mein wichtigster Tipp:
Mercenary Training sofort starten.
Nicht erst dann, wenn man es braucht.
Das System ist absichtlich langfristig ausgelegt.
Kann man das Training beschleunigen?
Ja.
Es gibt Gegenstände, die die verbleibende Trainingszeit reduzieren. Solche Training-Reduction-Potions können unter anderem über verschiedene Ingame-Systeme und Overseer-Belohnungen auftauchen. Alternativ lässt sich Training auch mit Daybreak Cash sofort abschließen.
Für mich ist die kostenlose Variante interessanter:
- Einen Mercenary auswählen, den ich länger verwenden möchte.
- Training dauerhaft laufen lassen.
- Reduction-Potions nicht auf fünf verschiedene Mercenaries verteilen.
- Freigeschaltete Slots sofort ausrüsten.
Tishan’s Lockbox liefert dafür sogar direkt Mercenary-Ausrüstung.
Welcher Mercenary für einen Shadowknight?
Für meinen Shadowknight würde ich zunächst einen Heiler bevorzugen.
Der Shadowknight bringt selbst Tankiness, Selbstheilung und Schaden mit. Ein Heiler-Mercenary gibt mir deshalb beim Solo-Spielen mehr Fehlertoleranz als ein weiterer Tank.
Wichtig ist aber auch die Qualität des Mercenary. Moderne Mercenaries beziehen einen Teil ihrer Werte vom Spieler; höherwertige Mercenaries erhalten dabei einen größeren Anteil.
Ich würde deshalb nicht unbedingt hunderte Tage in irgendeinen uralten Treasured-Mercenary investieren, nur weil er seit Jahren in meiner Sammlung liegt.
Lieber zuerst prüfen, welche neueren Legendary-, Fabled- oder Celestial-Mercenaries bereits vorhanden sind.
Schritt 4: Das Familiar nachziehen
Mein zweites großes Problem ist das Familiar.
Familiars geben ihrem Besitzer direkte Stat-Boni und können bis Level 10 gesteigert werden. Mit jedem Level steigen die Werte des Familiars.
Dabei gibt es zwei wichtige Möglichkeiten.
Kostenlose Familiars sammeln
In Freeport beziehungsweise Qeynos gibt es die tägliche Quest für Familiars Wild.
Die zuständigen NPCs sind:
- Steward Kres in Freeport
- Steward Aelin in Qeynos
Die Quest kann regelmäßig erledigt werden und belohnt mit einem zufälligen Familiar.
Überzählige Familiars verfüttern
Familiars aus dem Inventar können benutzt werden, um dem aktuell beschworenen Familiar Erfahrung zu geben.
Dabei zählt die Qualität:
- Treasured: 100 XP
- Legendary: 1.000 XP
- Fabled: deutlich mehr XP
Familiars aus der eigentlichen Sammlung können nicht direkt dafür verwendet werden – sie müssen als entsprechender Gegenstand im Inventar vorliegen.
Daneben gibt es Familiar Training Potions und Tonics.
Auch hier würde ich wieder dasselbe Prinzip verwenden wie beim Mercenary:
Nicht ständig wechseln.
Ein brauchbares Familiar auswählen und die Ressourcen zuerst darauf konzentrieren.
Schritt 5: Den Mount nicht vergessen
Das war ein weiterer Punkt, den ich nach meinem Boost praktisch ignoriert hatte.
Mounts sind in modernem EverQuest 2 nicht mehr einfach nur Reittiere.
Sie liefern Stats und besitzen eigene Equipment-Slots.
Tishan’s Lockbox in der Svarni Expanse liefert sogar einen kostenlosen fliegenden Mount, den Displaced Harbinger.
Mounts besitzen außerdem ein eigenes Training-System.
Es funktioniert ähnlich wie beim Mercenary:
Mount-Fenster → aktuellen Mount auswählen → Start Training
Die ersten Trainingsstufen benötigen etwa eineinhalb Tage, spätere entsprechend länger. Durch Training werden weitere Mount-Equipment-Slots freigeschaltet.
Also:
Mercenary und Mount gleichzeitig trainieren lassen.
Die Timer laufen ohnehin im Hintergrund.
Schritt 6: Spells und Combat Arts kontrollieren
Bei einem geboosteten Charakter lohnt sich außerdem ein Besuch im Knowledge Book.
Nur weil eine Fähigkeit zu meinem Level gehört, bedeutet das nicht automatisch, dass sie optimal ausgebaut ist.
Spells und Combat Arts besitzen verschiedene Qualitätsstufen – von Apprentice über Journeyman, Adept und Expert bis Master und darüber hinaus.
Höhere Qualität bedeutet unmittelbar stärkere Fähigkeiten.
Bei meinem Shadowknight würde ich zunächst besonders die Fähigkeiten kontrollieren, die ich ständig verwende:
- Lifetaps
- defensive Cooldowns
- wichtige AoEs
- Hauptangriffe
- Buffs
- größere Heals beziehungsweise defensive Fähigkeiten
Man muss nicht sofort jede einzelne Fähigkeit auf die höchste existierende Qualität bringen.
Aber die wichtigsten Fähigkeiten sollten auch nicht jahrelang auf einer niedrigen Stufe herumliegen.
Schritt 7: Die AAs neu ansehen
Mein Shadowknight wurde 2006 erstellt.
Meine damaligen Vorstellungen davon, wie dieser Charakter gespielt werden sollte, sind deshalb nur bedingt hilfreich für einen Charakter in modernem EQ2.
Wer einen alten Charakter geboostet hat, sollte deshalb zumindest einmal seine AA- und Prestige-Verteilung überprüfen.
Ein Boost bringt einen zwar nach oben, ersetzt aber nicht unbedingt eine sinnvoll auf die heutige Spielweise abgestimmte Solo-Konfiguration.
Für einen Shadowknight würde ich beim Aufholen zunächst stärker auf:
- Überlebensfähigkeit
- Lifetaps
- defensive Fähigkeiten
- AoE-Schaden
- sinnvolle passive Verstärkungen
setzen als auf eine reine Gruppen- oder Raid-Spezialisierung.
Das Ziel ist momentan schließlich nicht, einen DPS-Parse zu gewinnen.
Das Ziel lautet:
Den verdammten Solo-Dungeon überleben.
Schritt 8: Nicht mit Level 120 gegen die Wand laufen
Das ist vermutlich der Punkt, den ich bei meinem nächsten Versuch am stärksten berücksichtigen werde.
Visions of Vetrovia deckt den Bereich 120 bis 125 ab.
Man muss deshalb nicht jede Solo-Instanz unbedingt so früh wie möglich erzwingen.
Die Svarni Expanse und die nachfolgenden Gebiete bieten Signature- und Sidequests. Community-Berichte von Spielern mit frischen Level-120-Boosts beschreiben dabei einen deutlichen Unterschied zwischen den normalen Quests und den Instanzen – insbesondere bevor Level 125 erreicht wurde.
Mein Plan lautet deshalb:
Zuerst so viel Overland-Content und so viele Sidequests wie möglich erledigen und Erfahrung sammeln.
Mit vorhandener Vitality oder XP-Potions lässt sich das zusätzlich beschleunigen.
Erst danach gehe ich zurück in die Solo-Instanzen.
Und wenn eine obligatorische Instanz die Signature Timeline tatsächlich komplett blockiert, ist es auch keine Schande, sich einmal Unterstützung von einem anderen Spieler zu holen.
EverQuest 2 ist schließlich immer noch ein MMO.
Meine Reihenfolge für einen festgefahrenen Level-120-Charakter
Wenn ich heute noch einmal direkt nach dem Boost anfangen würde, wäre meine Reihenfolge:
- Svarni Expanse betreten
- komplettes Equipment aus Tishan’s Lockbox holen
- wirklich jeden Equipment-Slot kontrollieren
- Adornments überprüfen
- Mercenary-Ausrüstung aus der Lockbox holen
- einen guten Mercenary auswählen und Training starten
- Mount auswählen und Training starten
- bestes vorhandenes Familiar auswählen
- Familiars Wild täglich erledigen
- überzählige Familiars in das Haupt-Familiar investieren
- wichtige Shadowknight-Spells und Combat Arts prüfen
- AA-/Prestige-Skillung überprüfen
- erst einmal Overland- und Sidequests in Vetrovia erledigen
- Richtung Level 125 arbeiten
- anschließend die problematischen Solo-Instanzen erneut versuchen
Damit arbeitet man gleichzeitig an mehreren Problemen.
Während ich queste, läuft das Training von Mount und Mercenary weiter. Nebenbei sammle ich Familiar-XP und bekomme durch die Questreihe bessere Ausrüstung.
Was ich ausdrücklich nicht machen würde
Ich würde nicht anfangen, zwanzig Jahre EverQuest-2-Progression nachzuholen.
Das ist eine Falle, in die man als Rückkehrer sehr schnell geraten kann.
Epic Weapons, alte Gear-Systeme, Reforging, Infusion, mehrere Generationen von Adornments, alte Signature Lines, Ascension, Prestige, Mercenaries, Overseer …
EverQuest 2 trägt inzwischen sehr viel Geschichte mit sich herum.
Tishan’s Lockbox existiert gerade deshalb als Einstiegspunkt für zurückkehrende Spieler. Frühere Expansionen besitzen ebenfalls solche Lockboxes, damit man nicht erst das komplette vorherige Endgame absolvieren muss.
Ich werde deshalb nur ältere Systeme nachholen, wenn sie für meinen Charakter heute noch einen erkennbaren Nutzen haben oder ich die entsprechenden Inhalte ohnehin erleben möchte.
Und jetzt versuche ich meinen Shadowknight zu retten
Genau an diesem Punkt befindet sich mein Charakter momentan.
Level 120 ist vorhanden.
Das allein reicht aber offensichtlich nicht.
Mein nächster Schritt besteht deshalb nicht darin, mich zum zehnten Mal gegen denselben Boss in einer Solo-Instanz zu werfen, sondern meinen Charakter Stück für Stück auf den Stand zu bringen, den EverQuest 2 auf diesem Level eigentlich erwartet.
Mercenary trainieren.
Familiar verbessern.
Mount trainieren.
Ausrüstung und Adornments kontrollieren.
AAs und Fähigkeiten aufräumen.
Und währenddessen über die normalen Vetrovia-Quests weiter Richtung Level 125 arbeiten.
Ich werde berichten, wie gut das funktioniert.
Vielleicht ist genau das sogar der interessantere Weg zurück nach Norrath: Nicht einen perfekten Max-Level-Charakter zu spielen, sondern einen Shadowknight aus dem Jahr 2006 wieder Stück für Stück fit für das moderne EverQuest 2 zu machen.
Passender Guide:
EverQuest 2 nach dem Level-Boost: Was du unbedingt nachholen solltest – Norrath Kompass
